Etwa 10 Ashaninkakinder begleiten uns. Bis Tomás ankommt bekomme ich sein Zimmer zugewiesen. Mariano präsentiert uns erstmal einen Scotch und zeigt uns das kleine aber praktisch eingerichtete Haus. Es steht ebenerdig, hat leichte Wände mit großen Fenstern, welche nur mit engmaschiger Gaze bespannt sind. Das Dach besteht aus Wellblech. Innen findet sich eine Küche, ein Vorratsraum, zwei Duschen/Toiletten, das Zimmer von Tomás, zwei weitere Zimmer und eine winzige Kapelle mit Tabernakel. Der große Raum gleich hinter der Eingangstür aus Gaze dient sowohl als Versammlungsraum wie auch als Ort für die Mahlzeiten. Hier steht auch das Funkgerät. Es wird von einer Solaranlage betrieben. Diese sorgt auch im begrenzten Umfang für das Licht oder den Betrieb des Fernsehers. TV- Programme sind hier zwar keine zu empfangen, aber Pedro sorgt bei seinen Besuchen immer für einen Vorrat an Spielfilm DVDs. Im gesamten Dorf sieht es sehr gepflegt aus. Der 8m breite Hauptweg des Dorfes, wie auch die Nebenwege, besteht aus kurzgeschnittenem Rasen. Die Grenze zu den Häusern der einzelnen Familien bildet ein Zaun aus in einer Linie in die Erde gesteckter Zierpflanzenstecklinge, welche immer wieder kurz geschnitten und so immer dichter werden. Vor der Tür des Missionshauses in Richtung des kleinen Flusses, der aus den Bergen kommt und sich in den Rio Tambo ergießt, erstreckt sich ein kleines Maisfeld, an dessen Rändern Bananenstauden, Sträucher und Papayabäume gepflanzt wurden. Die Kinder interessieren sich kichernd für uns Neuankömmlinge.

16.11.2003

Um 5:30 bin ich von allein aufgewacht. Alle anderen sind auch schon wach. Die Sonne ist schon mit ihrer ganzen Kraft da. Einige Jungens machen mit ihren Macheten einen etwa ein Meter breiten Streifen gegenüber dem Missionshaus für Zierpflanzungen bereit.
Am Funkgerät wird mit anderen Dörfern der Ashaninka gesprochen.
Um 8:00 wird auf der Terasse des Hauses eine Messe gefeiert. Etwa 20 Erwachsene und 70 Kinder sind da. Ich werde vorgestellt.
Teodoro macht mit mir einen Rundgang durch das Dorf und stellt mich verschiedenen Familien vor. Überall muß ich wenigstens einen kleinen Schluck Bananensaft oder ein leicht gegorenes rosa Getränk namens Masato, gereicht in einer Kokosnußschale zu mir nehmen. Ich will lieber nicht wissen wie das Zeug hergestellt wird obwohl es sehr gut schmeckt. Teodoro schenkt mir eine Kette aus Samenkörnern und Affenzähnen. Dazu bekomme ich eine rote Gesichtsbemalung.

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Mit Affenzähnen und Gesichtsbemalung begrüßt

Ein Alter trocknet für meine Pfeife ein paar Blätter über dem Feuer und kichert dabei. Ich will mal hoffen daß die Blätter nicht von einem der hier ganz vereinzelt stehenden Kokasträucher stammen. Teodoro ist ganz närrisch auf meine Tabakspfeife. Er will immer wieder daran ziehen und zeigt mir dann wie er als Zauberer den Regen vertreibt indem er den Rauch in alle vier Himmelsrichtungen bläst.
Ich konnte zusehen wie die Frauen kochen. Es war genau so wie ich es schon in einem Dokumentarfilm zu Hause gesehen habe. Sie kauen irgendwelche Wurzeln und Pflanzenteile, spucken es in den Topf und rühren während des Kochens um. Immer wieder.
Ich hab dann noch allein einen Spaziergang durch das Dorf gemacht. Die Leute sind sehr freundlich, bitten mich herein, zeigen mir ihre Sachen und wollen manchmal auch was verkaufen. Aber ich erkläre ihnen daß ich dazu noch viel Zeit habe da ich länger hier sein werde.
Olga, die Frau von Matias ist so etwas wie die Haushälterin im Haus von Tomás. Sie kocht sehr gut. Ihre Enkelin Patricia hilft ihr dabei und soll offensichtlich in diesen Job eingeführt werden den Olga jetzt schon viele Jahre macht.
Während die Jungs auf der großen Dorfwiese Fußball spielen steht es zwischen Peru und Brasilien 1:1, wie über das kleine Kurzwellenradio zu hören ist.
Am Abend treffen sich noch einige der Dorfältesten mit Mariano. Sie wollen mit ihm über ein Angebot einer Firma reden, die ihnen die Elektrifizierung des Dorfes anbietet, im Gegenzug aber Land und Holzeinschlag erwartet. Die Leute sind dagegen. Sie werden von Mariano in ihrer Haltung bestärkt.

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