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Anscheinend
hat jetzt die Regenzeit so richtig begonnen. Es regnet seit 4:00
früh und es sieht nicht so aus als wenn es bald
aufhört. Tomás
sagt, daß es viel Arbeit gibt. Aber nur wenig kann bei dem
Regen gemacht werden. Movietime! Die Solaranlage ist genug
aufgeladen und so kann der DVD-Player eingeschaltet werden.
Pedro hat aus Lima einige Filme mitgebracht. Die meisten sind
auf englisch mit spanischen Untertiteln. Eine gute Gelegenheit
um beide Sprachen besser kennenzulernen obwohl die meisten Filme
US-Müll sind. Bin am Nachmittag am Fluss gewesen, der
jetzt schon sehr angewachsen ist und viel Holz mit sich führt.
Die Leute fischen mit viel Erfolg. Adventsbräuche, die
etwas zu tun haben mit „Grün“ und gemütlichem
Kerzenlicht kennt man hier nicht, da es immer grün und warm
ist.
01.12.2003
Nach
dem Frühstück habe ich ein Gespräch mit Tomás
über die Arbeit hier weil ich auch einige Fragen habe. Zum
Beispiel warum Mariano die Jungs bezahlt hat, die in seiner
Abwesenheit einen Glockenturm gebaut haben. Tomás
war etwas verärgert darüber weil es entgegen seinem
Prinzip ist. Er möchte, daß die Leute Selbständigkeit
erlangen bei dem was sie selbst wollen und tun. Der Glockenturm
wird nie „ihrer“ sein. Es war Marianos Idee. Er
hatte von irgendwoher eine Glocke mitgebracht. Die Arbeit wurde
geleistet und bezahlt. Aber jedes Haus, was sie gemeinsam und
füreinander gebaut haben ist „ihres“. Tomás
bezahlt auch niemanden der irgendeine Dienstleistung für
das Allgemeinwohl macht. Es soll alles gemeinschaftliches Tun
sein. Wenn ich es richtig verstanden habe strebt Tomás
an, daß es Geld nur im Verkehr mit außerhalb der
Dorfgemeinschaft gibt. Er erzählte mir gerade, daß
ein Freund für ihn 500 Sack Zement für den Häuserbau
gekauft habe. Das Problem ist, daß er jetzt 2000 Soles
allein für den Transport von Tarma bis Puerto Ocopa
braucht. Es ist immer noch
schwierig mit den Leuten die am alten Platz des Dorfes wohnen.
Tomás
versucht sie nach und nach für den neuen Platz zu gewinnen.
Nicht nur wegen der strategisch günstigeren Lage. Mit
Tomás einen
Rundgang durch die ganze Comunidad gemacht und die Arbeiten
besprochen bei denen ich helfen kann. Dabei erzählt er mir
auch von seinen Differenzen mit Mariano. Mariano ist seit
einigen Jahren hier, aber von Dezember bis Oktober nur
sporadisch anwesend. Er hat einige Projekte in Lima. Wenn er
kommt bringt er meist etwas mit was Tomás
nicht immer gefällt. Eine Idee oder etwas Materielles
(Beispiel: Glasfenster). Es sind aber auch sehr viele nützliche
Dinge und Ideen dabei. Zu Weihnachten wird Mariano nicht da
sein und Tomás
freut sich darauf. Habe noch einige Baumscheiben für
Zitronenbäumchen gepflegt.
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S.18
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02.12.2003
Heute
früh kein Regen! Wäsche gewaschen am Flüsschen.
Heute werde ich wieder einiges tun. Entweder mit den Männern
Dorfwege anlegen oder Baumscheiben pflegen. Ich bin jetzt 1
Monat in Peru. Friedlicher Abend nach getaner Arbeit die nur
ab und zu von Regen unterbrochen wurde. Mariano das Zebra
schnarcht schon seit dem späten Nachmittag. Aber kochen
kann er ausgezeichnet. Wenn er kocht hat Olga kaum noch was zu
tun und sie schaut sich Einiges von ihm ab. Zum Nachtisch gab es
eine Ananas aus dem eigenen Garten. Tomás
freut sich über die wachsende Selbständigkeit der
Leute. Er erzählt gerade, daß vorgestern Nacht ein
Coca-Schmugglerboot vorbeigefahren ist. Die Ronderos (Wachen)
haben es gesehen. Es gibt auch hier im Dorf einige
Coca-Sträucher. Ein bis zwei sind legal zum traditionellen
Eigengebrauch. Heute abend herrscht eine so hohe
Luftfeuchtigkeit daß der ganze Betonfußboden feucht
ist. Besonders feucht ist es in Marianos Zimmer wegen der
Glasfenster. Alle Sachen sind klamm. In der Ferne rumpelt ein
mächtiges Gewitter.
03.12.2003
Bin
gleich früh mit den Männern in den Dschungel gefahren
um gefälltes und bereits geschnittenes Holz
hereinzubringen. Schon nach zwei Stunden bin ich wieder
zurückgegangen weil mir das Klima heute zu schaffen macht.
Die Bewegungen fallen schwer und ich verspüre jeden der
vielen verschiedenen Gerüche im Wald sehr intensiv und
nicht gerade angenehm. Tomás
tröstet mich, es wäre heute besonders feucht und er
spürt es auch sehr. Dann hat er mich gewarnt, ich solle
nie allein aus dem Dorf gehen. Ein Rondero aus Poyeni war da und
hat sich bei Tomás
nach mir erkundigt. Sie hätten mich beinahe bei meinem
kürzlichen Ausflug festgenommen da sie sich nicht sicher
waren ob ich ein Gast der Mision bin. Gegen 14:00 Uhr gab es
große Aufregung im Dorf. Einige Frauen schreien herum und
laufen mit den kleinen Kindern im Arm in Richtung Norden zum
Fluss. Die Männer die im Dorf sind laufen mit ihren
Gewehren entgegen in Richtung Dschungel. Terroristenalarm! Es
stellt sich als falscher Alarm heraus. Es hatten sich nur ein
paar Siedler aus Satipo auf der Suche nach Arbeit im Dschungel
verlaufen. Die Leute sind sehr nervös und Tomás
beruhigt die Frauen mit den kleinen Kindern während die
Männer sicherheitshalber doch noch einmal das ganze Dorf
durchsuchen. Jetzt ist mir verständlich, warum sie immer
die Flinte dabeihaben wenn sie das Dorf verlassen.
S.
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