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Die
Luftfeuchtigkeit ist unglaublich hoch. Meine Wildlederweste hat
einen feinen Schimmelüberzug bekommen. Auch mein Reisepaß,
den ich am Tag meiner Ankunft auf den Schrank gelegt und seitdem
nicht wieder angesehen habe, ist mit Schimmel geziert. Tomás
sagt: In einer halben Stunde kann man alles sehen, was es in
Cheni gibt. Das ist für die meisten Leute unattraktiv. Das
Wichtigste aber, und das sehen die Kurzbesucher nicht, sind die
Menschen hier. Sie beginnen damit, selbst aktiv zu werdenund zu
begreifen, was für eine Verbesserung ihres Lebens wichtig
ist. Zweimal 3 Stunden Tomás
zuhören (alles auf englisch) war sehr, sehr anstrengend für
mich. Aber es war auch der bisher wichtigste Tag hier.
09.12.2003 Heute
früh mähten die Männer das Gelände um die
Baustelle Med-Punkt. Dabei wurde Julio von einer sehr giftigen
Schlange gebissen. Zum Glück hatte Tomás
Medizin parat. Bei der Gelegenheit erzählte er mir
Geschichten über Schlangenbisse, Piranja-Attacken,
Bootsunglücken usw. Abends kam er spät von einer
Besprechung bei den Ältesten zurück. Die Leute haben
den Lehrer (ein Mestize, der aus La Merced geschickt wurde) als
Präsidenten der Schule abgewählt und Marcellino als
Präsidenten gewählt. Für Tomás
ist das ein gutes Zeichen für gewachsenes Selbstvertrauen.
Marcellino will schrittweise viel verändern, die Schule ins
Nuevo Pueblo holen und 2 Häuser für gute Lehrer bauen.
Er fragte Tomás
ob das möglich ist. Tomás
will helfen.
09.12.2003 Früh
waren viele Leute da. Es wird aufgeregt über Funk
kommuniziert. Es geht um Arbeiten, die Leute von außerhalb
hier machen, mit denen die Leute von Cheni nicht ganz
einverstanden sind. Tomás
freut sich, daß sie die Klärung selbst in die Hand
nehmen und nicht ihn bitten es zun tun. Eines Tages wäre es
bei der absehbaren Entwicklung des Dorfes ohnehin für ihn
nicht mehr möglich, alles zu kontrollieren und zu regeln.
Die Unabhängigkeit und Selbständigkeit wächst.
Tomás
ist froh darüber und sieht darin die Früchte seiner
Arbeit. Im Gegensatz zu Mariano, der die Regenzeit als
nutzlose oder verlorene Zeit sieht weil man nichts tun kann, ist
es für Tomás
die beste und wichtigste Zeit um MIT den Leuten Pläne zu
machen und zu besprechen was im kommenden Jahr in Angriff
genommen werden soll. Tomás
erzählt, daß sie ganz streng sind und keine
Nicht-Ashaninkas in der communidad wohnen lassen. Auch wenn ein
Dorfmitglied jemanden von außerhalb heiratet muß es
wegziehen. Die Gefahr ist zu groß, daß dadurch das
Eindringen der Siedler zunimmt.
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Das
Land der Indios ist bei den Siedlern sehr begehrt. Deshalb
wollen die Indios zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch keine
Straßenanbindung. Sie achten auch darauf, daß
zwischen den Grenzen der verschiedenen Ashaninka-communidades
keine Zwischenräume bleiben, in denen sich Siedler
festsetzen könnten. Nach der gestrigen hohen
Luftfeuchtigkeit ist der Regen heute eine echte Erlösung.
Es sind nur 23°C. Tomás
will mit mir in den letzten zwei Januarwochen eine Perurundreise
machen. Ich soll ihm sagen was ich sehen möchte. Auf jeden
Fall will er mir Ayacucho, die Halbinsel Paracas und Huarez oder
Trujillo zeigen. Funktionen in der communidad: 1.
Presidente 2.Vicepresidente 3. Jefe de ronderos (Vorsteher
der Wachen) 4. Agente de municipal (Gemeindevertreter)
11.12.2003
Regen.
Es wird kaum hell. Mariano und Pedro sind noch immer in Satipo
hören wir über Funk. Mariano fragt, ob wir übermorgen
seinen Hund Tacha mitbringen können. Tomás
verdreht die Augen und fragt, ob es nichts Wichtigeres
gäbe. Victor, ein junger Mann, kommt und bespricht mit
Tomás
die Pflanzung von Kakao hinter dem Missionshaus. Nachdem sich
kurz nach Mittag der dichte Nebel verzogen hatte, sah man in der
nun klaren Luft mit bloßem Auge viele neue Wasserfälle
von den etwa 20km entfernten Bergen stürzen. (Photo: Taken
from SATIPO.COM. Image © Henry Gines) Tomás
erzählt wieder viel. Ich merke, wie wichtig es ihm ist, daß
ich ihm Gesellschaft leiste, obwohl ich wahrscheinlich nur 60%
richtig verstehe und es für mich sehr anstrengend ist. Am
Abend hat er mit Marcellino eine Besprechung zu den anstehenden
Veränderungen in der Schule.
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