12.12.2003
Der übliche Regen, schon in der Nacht. Tomás sagt, die Sache mit dem Wechsel in der Schule ist ein ganz wichtiger Punkt in der Geschichte und Entwicklung von Cheni. Eines der Projekte in der neuen Schule soll sein, daß die Kinder in einer Malaktion die Eindrücke aus der Zeit der Bedrohung durch die Terroristen verarbeiten.
Die Ashaninka-Gemeinschaften haben ein Statut. Dies besagt auch, welche Gründe gültig sind, wenn jemand in eine Dorfgemeinschaft zuziehen will. Nach einer zweijährigen Prüfung wird über die Aufnahme entschieden. Trotzdem kommt es immer wieder, wie bei allen menschlichen Gemeinschaften , auch hier vor, daß Einige nicht integrierbar sind. Sie haben dann die Möglichkeit, unter dem Schutz der Gemeinschaft außerhalb autark zu leben.
Jos
é repariert unser Dach. Es tropft an zwei Stellen.
Heute sollten für ein paar Tage Gäste aus Mazamari kommen. Sie waren aber nicht im Boot.

13.12.2003
Wir haben keine Zigaretten mehr und halten es ganz tapfer aus. Nachdem mein Vorrat an Pfeifentabak zu Ende war hatte ich nämlich einen Rückfall in Zigarettenraucherzeiten erlebt. Vielleicht kommt heute eine Lieferung mit dem Boot mit.
Tom
ás erzählt wieder von krummen Dingen von Ordensleuten und Priestern, welche Spendengelder mißbräuchlich einsetzen. Wenn ich ihm glauben kann sind die Mehrheit dieser Leute Schlitzohren, die auf Kosten der Nativos für ihr eigenes Wohl arbeiten.
Am Nachmittag wieder Regen. Die Zigarettenlieferung kam nicht. Der Kaffee geht auch zur Neige. Tom
ás macht manchmal vom Kaffe schon einen zweiten Aufguß.

14.12.2003
8:00 Uhr Messe. Kein Regen! Die Jungs pflegen voller Eifer die Baumscheiben. Wenn es das Wetter zuläßt fahren wir morgen bis Freitag nach Satipo.
Nach der Messe großes Dorfgemeinschaftsfischfangen. Diesmal am unteren Ende unseres Rio Cheni. Die Männer tragen Steine zu Stauwänden zusammen. Diese werden von Frauen mit Bananenblättern abgedichtet. Etwa 100m oberhalb wird ein Seitenarm des Flusses durch einen weiteren Damm stillgelegt. Das nun entstandene stille Gewässer haben sie scheinbar wieder mit dem Wurzelgift versetzt. Jedenfalls sind die Fische sehr träge und können mit der Hand gefangen werden. Nach den sehr begehrten Welsen muß der schlammige Flußboden abgetastet werden. Die Frauen sind dabei sehr geschickt. Überhaupt habe ich den Eindruck, daß die ganze Aktion von den Frauen geleitet wird. Es wird viel gelacht.

S.24



























Die Jungs brennen darauf, mir ihre kühnen Schwimmkünste zu zeigen. Dazu führen sie mich nach weiter oben, wo das Wasser noch wilder ist. Sie reiten auf Ästen durch die Stromschnellen.

15.12.2003
Regen und nur 19°C! Wir wollen noch warten ob wir heute wirklich nach Satipo fahren wollen. Dann gehen wir aber doch im Regen zum Fluß um auf ein Boot aus Atalaya zu warten. Abfahrt um 10:15 Uhr im starken Regen. In Puerto Ocopa wartet schon Elliot, unser Taxifahrer. In zweieinhalb Stunden rumpelt er uns mit seinem robusten Toyota über die schmierigen Pisten nach Satipo.


Kirche und Schule von Satipo (Foto: Henry Gines)


Angekommen! Erstmal 'nen Kaffe und 'ne Zigarette. Wir genießen in Stille. Diesmal sind wir bei den Franziskanern untergebracht. Sie leiten hier die Pfarrei und die Schule von Satipo. Ihr Prior ist Mario Brown, ein sympatischer Amerikaner. Ich bemerke, daß es irgendwelche Differenzen zwischen Mariano und den Franziskanern gibt. Denn Mariano und Pedro übernachten zu meiner Überraschung nicht bei den Franziskanern sondern in einem Nebenraum des Zwischenlagers der Mission. Mariano hat schlechte Laune. Er weiß noch nicht, was er zu Weihnachten machen will. Tom
ás hofft, daß er nicht mit nach Cheni zurückkommen wird.
Im einzigen Internetcafe kann ich meine Kontakte nach Hause tätigen. In Satipo gibt es das gewohnte abendliche Treiben. Die verschiedensten Leute leben hier. Neben Ashaninkas sind es in der Mehrzahl Siedler aus den verschiedensten Regionen. Ein totaler Rassenmix.
Am Abend sind wir zum Reden und Fernsehen bei Mario Brown eingeladen.

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