Es ist schwer zu verstehen und unser Denken, geboren und entwickelt in einer abgesicherten, manchmal sogar sterilen Umgebung, wehrt sich dagegen. Es ist das Gesetz des Dschungels; ich muß die Schlange töten, sonst tötet sie den Bruder, der hinter mir geht. Die Menschen können nur anders miteinander umgehen wenn ihre Lebensumstände sich verbessern. Und genau dabei will Tomás ihnen helfen. Ich kann angesichts dieser Erfahrungen nicht mehr verstehen, warum einige „Romantiker“ trotzdem verlangen, es sei alles zu tun, damit die Indios weiterhin wie bisher „ursprünglich“ leben sollen. Zumindest die Leute von Cheni wollen ein anderes Leben.
Heute nachmittag sind die Kühe ins Dorf gebracht worden. Alle sind sehr stolz auf die große Herde des Dorfes.

24.12.2003
Regen. Die Männer verpflegen die Kälber. Dann fangen sie mit einem Lasso eine Mutterkuh, um ihre Verletzung zu behandeln. Sie haben enormen Respekt vor den großen Tieren. Die Neuen im Dorf haben noch nie ein Rind gesehen. Das Schwierige ist, das Lasso wieder zu lösen. Sie trauen sich nicht an die Kuh heran. Mit langen Stöcken gelingt es schließlich, die Kuh wieder vom Lasso zu befreien.
Mittag. Überall in der sogenannten christlichen Welt wird jetzt große Hektik sein. Hier ist jetzt großer Frieden, Stille. Ich versuche, mental mit dem kleinen Plastikweihnachtsbaum klarzukommen, den Mariano angeschleppt hat. Die bunten Kugeln haben schon einige Kolibris angelockt, die enttäuscht wieder abschwirren.
16:00 Uhr beginnt der Filmnachmittag. Tom
ás schiebt die DVD „Camillo blanco“ ein. Es ist ein Film über einen weißen Jungen in Nordamerika, der sich mit seinem Hund Camillo verirrt hat und bei den Indianern aufgenommen wird. Das ganze Dorf amüsiert sich köstlich dichtgedrängt vor dem Fernsehgerät.
Am Abend gibt es eine Überraschung für Tom
ás. Mariano hat ihm eine Spielzeugeisenbahn geschenkt. Er freut sich wie ein kleiner Junge und ist nicht mehr sauer, daß Mariano über Weihnachten in Cheni ist.

25.12.2003

Die Familie von Roberto ist zuständig für die Verteilung der Kekse und Panetons. Nach der Weihnachtsmesse ist großes Gemeinschaftsessen des Dorfes. Häuptling Marcellino organisiert perfekt die Speisung der über 300 Leute. Nachher gibt es eine Einladung auch an mich zum Fußballspielen.

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Viele Gäste aus anderen Comunidades sind da.


Nicht erst seit der Terroristenzeit ist Sicherheit, auch im Inneren, eine wichtige Sache für die Leute. Sie organisieren die Wache nach außen, die Ronderos, welche auch bei besonderen Anlässen, so wie heute, Polizeifunktionen ausüben. Sie achten unter anderem darauf, daß sich niemand so sehr mit Masato betrinkt daß er Unsinn macht und den Feiertag stört.


Früher, und in anderen Missionen auch heute noch, war es üblich, daß der Missionar alles organisiert und auf alles achtet. Tomás wollte von Anfang an, daß die Leute dies selbst tun.
Es ist ein herrlicher Tag. Aber die Sonne scheint sehr hart. Mariano ist schwindelig. Er trinkt viel.

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