|
26.12.2003 Heute
früh ist es wieder trübe. Ich hab mich nach dem
Frühstück wieder etwas ins Bett gelegt, auch über
Mittag. Luftdruck und Luftfeuchtigkeit sind erheblich. Das ganze
Dorf schläft, nachdem man am Vormittag noch einmal kräftig
dem Masato zugesprochen hat. Auch die Kinder tollen nicht herum
wie üblich.
27.12.2003 Am
Morgen rumort mir etwas der Magen von den ungewohnten Leckereien
gestern. Mariano wird heute abreisen und wir freuen uns schon
auf den Genuss der Ruhe. Die Kühe hatten sich befreit und
wurden unter großem Hallo und Gelächter wieder aus
dem ganzen Dorf zusammengesucht. Roberto kommt zum Schwatzen
und Häuserbasteln zu Tomás. Nachdem es am Morgen
ziemlich kühl war ist die Sonne eine Stunde später
schon wieder unbarmherzig knallig. Jeder sucht ein
Schattenplätzchen. Und so kommen noch Matias, Marcellino
und José dazu, bis wir dann „Big Fish“
(Mariano) alle gemeinsam zum Boot bringen. Inzwischen haben
die Jugendlichen eine neue Weide gebaut. Ich bin sehr erstaunt,
daß die Kühe dieses hohe, harte, rötliche Gras
fressen. Es sieht etwas aus wie eine kleine Form von Zuckerrohr.
Vielleicht ist das die Weihnachtssüßigkeit für
Kühe. Ich muß dringend Flüssigkeit tanken.
Dann wasche ich zum ersten Mal richtig groß Wäsche.
Eingeweicht mit etwas Waschpulver im lauwarmen Regenwasser, wird
dann alles im kristallklaren Rio Cheni gründlich gespült.
José macht es ganz praktisch. Er zieht sich die Sachen an
und spült sie, während er im Bach herumplanscht. Am
Nachmittag kommen die Familien und melden ihre Kinder zur Taufe
an. Tomás wird oft gefragt, welche Rolle der Mission bei
den Indios zukommt. Zuerst sagt er meist, daß er es nicht
weiß. Auf Nachfrage: Nicht, große Dinge anzupacken,
sondern zuallererst einmal da
zu sein. Als Instanz, als
Treffpunkt, der von allen akzeptiert wird. Ausdauer, langer Atem
und Vertrauen in die Wahrhaftigkeit der Berufung sind
nötig. Tomás hält es für
ausgeschlossen, daß Mariano mit 74 Jahren, seinem
Charakter und seinen Ansichten noch einmal neu in Cutivireni
anfangen kann. Mariano ist jetzt in San Ramon beim Bischof, um
wegen Cutivireni Gespräche zu führen. Tomás
sagt, daß es sehr schwer ist, das Leben im Dschungel gegen
Resignation und Routine mit Ausdauer zu leben. Manchmal fragt er
sich: Was mache ich hier eigentlich? Doch dann kommen plötzlich
nach einigen Jahren des geduldigen Wartens die Leute und fragen;
könnten wir nicht eine Hühnerfarm aufbauen oder eine
kleine Kirche? Und dann weiß er wieder, warum er da
ist.
◄
S.
32
|


























|
28.12.2003 Tomás
beschließt, daß wir schon am 9./10. nach Satipo
abreisen, damit wir genug Zeit für die Anden haben. Nach
der Messe ist die Taufe von 10 Kindern.

Tomás
erzählt mir nachher die unglaublichsten
Familiengeschichten. Es ist genauso wie bei uns. Die meisten
kriegerischen Dinge geschehen aus Eifersucht. Die Frauen sind
dabei sehr aktiv. Lustig ist manchmal, was sie ihren Kindern für
Namen geben wollen. Neuerdings sind es öfter englische
Namen. Aber auch so etwas wie „Hammer“ oder „Fraile“
(Mönch) wurde vorgeschlagen. Tomás und Marcellino
sind ja hier so etwas wie die Standesbeamten und müssen
dann auf die entsprechenden Vorschriften, welche es auch in Peru
gibt, hinweisen.
S.35
►
|