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Bei den fröhlichen Leuten von Cheni |
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Bei Klick auf das Bild kann man Cheni in Google Earth ansehen
Radiobeitrag vom MDR Figaro zum Steinhaustheater
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Vor einigen Jahren waren die beiden spanischen Missionare Benjamin Tapia und Tomás Martin in Österreich und Deutschland zu Besuch und erzählten von ihrer Arbeit im tropischen Regenwald von Peru. So waren sie auch 1996, begleitet von Bruder Peter Amendt von der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn, bei uns zu Hause. Diese Begegnung und die Erzählungen der Beiden haben mich sehr berührt. Ich hätte damals nicht geglaubt, daß ich 7 Jahre später tatsächlich der Einladung zu einem Gegenbesuch nachkommen und für 3 Monate nach Peru reisen würde.
Nach Bürgerkrieg
und Vertreibung haben die Indios vom Volk der Asháninka
begonnen, ihre einstigen Siedlungen nach der Zerstörung
wieder neu aufzubauen. Während Bruder Benjamin sich aus
gesundheitlichen Gründen von der direkten Missionstätigkeit
vor Ort zurückziehen mußte ist Bruder Tomás nach
der Flucht vor den Terroristen des „Leuchtenden Pfades“
(Sendero Luminoso) wieder zu den Asháninka zurückgekehrt
und lebt mit ihnen im Dorf San Antonio de Cheni am Rio Tambo im
Departement Junin. Das Dorf ist nur auf dem Flussweg nach 5
Stunden Kanufahrt von Satipo aus zu erreichen. Es gibt keinen
Strom, kein Telefon, keine Zeitung - nur den Urwald. Doch ehe man
den Rio Tambo erreicht muß man auf der Straße, von
Lima auf der Carretera Central kommend, den 4818 m hohen Andenpass
Abra Anticona überwinden. Leider ist die Ferrocarril Central,
die höchste Eisenbahnlinie der Welt, die diesen Pass auf
einer Höhe von 4781 m überquert, zur Zeit für den
Personenverkehr nicht in Betrieb. Hat man die herrlichen
schneebedeckten Gipfel der Anden hinter sich gelassen geht es bald
zügig in atemberaubender Serpentinenfahrt hinunter über
La Oroya und Tarma nach La Merced, bis wenig später nach 6
Stunden Autofahrt in Satipo die letzten Ausläufer an der
Ostseite der Anden erreicht sind. Dies ist das Gebiet zwischen Rio
Tambo und Rio Ene wo die Terroristen, aus der Gegend um Ayacucho
kommend, elf Jahre lang mit Bedrohung, Vertreibung, Tod und
Zerstörung herrschten. Auch heute noch, 4 Jahre nach dem Ende
der Kämpfe, in deren Verlauf die Indios sowohl unter den
Terroristen von MRTA und Sendero Luminoso als auch unter den sie
bekämpfenden Militärs litten, sind die Menschen noch
traumatisiert und reagieren nervös auf jeden unangemeldeten
Eindringling in ihr Gebiet. Die Asháninka, zu deutsch „die Brüder von Allen“ oder auch einfach „Leute“, halten ihren Siedlungsplatz mit den Macheten immerzu von der unwahrscheinlich schnell wachsenden Vegetation frei, um ihre Kulturen anbauen zu können und gefährliche Schlangen, Skorpione und anderes Getier vom Gelände fernzuhalten. Auch die Kinder gehen früh mit der Machete aus dem Haus, damit sie ihren täglichen Weg zur Schule immer freihalten können. Dies ist sehr wichtig für das Überleben der Indios im Dschungel, dem die Menschen tagtäglich ihr eigenes Leben abringen müssen. Krankheiten wie Gelbfieber und Malaria kommen immer wieder vor. Die Menschen sind sehr arm, haben nur das Nötigste zum Leben. Und doch haben sie noch mehr, wie ich im Laufe der Zeit erfahren durfte. Auch hatte ich nicht das Gefühl, daß sie sich selbst als arm sehen. Sie kennen kein anderes Leben als das, was sie und ihre Vorfahren schon seit Jahrhunderten leben. Durch den Kontakt mit der sogenannten Zivilisation sehen sie aber doch, was möglich oder machbar wäre, um ihre Bedürfnisse nach einem besseren Leben zu befriedigen. Erstaunlich und sehr beruhigend für mich war, daß sie solche Angebote unserer Zivilisation wie Coca Cola, Taschenradios, Mode oder Kosmetik nach dem Ausprobieren sehr bald wieder uninteressant finden und sich Dingen zuwenden, die tatsächlich Hilfen sein können. Man kann nur hoffen, daß sie sich dieses gesunde Lebensgefühl noch lange erhalten. Trotzdem glaube ich nicht, daß wir das Recht haben ihnen vorzuschreiben wie sie leben sollen. Entwicklung ist auch Entwicklung der Kultur. Wir können von ihnen nicht erwarten, daß ihre Entwicklung stehenbleibt, sie für immer „ursprünglich“ leben sollen, nur damit wir satten und gestörten Menschen das gute Gefühl haben daß es „so etwas“ noch gibt.
Die Asháninka
sind sehr wißbegierig und lernfreudig. Sie möchten viel
von dem lernen was nötig ist um die Krankheiten, die ihnen
zum Teil erst von den Europäern gebracht wurden, zu
bekämpfen. Sie möchten auch ihre Nahrungssituation
verbessern. Durch die Abholzung des Regenwaldes für
Erdölprojekte gehen immer mehr Lebensräume für die
ohnehin wenigen jagdbaren Tierarten zugrunde. Auch ihre Häuser
wollen sie in Zukunft besser und dauerhafter zu bauen. Dieser
letzte Wunsch wurde besonders stark wach, als die Familien nach
der Vertreibung nach und nach zu den einstigen Siedlungsplätzen
zurückkamen. Sie fragten Pater Tomás, ob er ihnen
dabei helfen könne da sie weder Material noch Anleitung zum
dauerhafteren Bauen hatten.
Wo ist der
christliche Aspekt der Missionstätigkeit von Pater Tomás?
Er ist doch schließlich zuerst Priester! Auch solche Fragen
werden mit einem Unterton von Sorge manchmal gestellt. Der
christliche Aspekt der Missionstätigkeit von Pater Tomás
ist vom alltäglichen Leben nicht zu trennen. Er verwirklicht
sich ganz selbstverständlich im Leben, im Teilen des Lebens,
im täglichen Kampf um das Leben. Sicher geschieht nicht alles
nach römischen Vorgaben, aber es ist wahrhaftig und die
Menschen nehmen das Angebot des Glaubens an. Ich habe bei den Asháninka von Cheni fröhliche Menschen kennengelernt. Sie lachen den ganzen Tag mit einem unnachahmlichen kindlichen Lachen - bei der Arbeit, beim Feiern, beim Masatotrinken, bei der Predigt im Gottesdienst. Ich habe bei ihnen trotz Armut eine lebendige Hoffnung erlebt. Sie LEBEN. Bei einem Heimaturlaub in Spanien wurde Bruder Tomás als Missionar im Dschungel von Peru vorgestellt. Auf die Frage, was er dort mache, antwortete er: „Ich lebe dort.“ Auf die ungeduldige Nachfrage: „Ja, aber WAS machen sie dort?“ sagte er noch einmal: „Ich lebe dort! Leben sie?“ Wer die Arbeit von Pater Tomás finanziell unterstützen und ihm dabei helfen möchte, daß die unvorhergesehenen Schwierigkeiten nicht zu groß werden, kann Spenden auf sein Konto überweisen. Wichtig ist die Angabe des Zwecks: „Free for your projects!“
Tomás
Martin
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